Assmann/Neuhauser/Prenninger Julius Deutschbauer Karolina Gacke Dzvinya Podlyashetska Susi Rogenhofer Michael Vonbank 2025
Impressum INFORMATION Galerie Gisela Weissenbach-Abraham | DISTRICT4art, Haydngasse 15, 1060 Wien +++ Di – Fr jeweils 15 – 19 Uhr und nach Terminvereinbarung +++ +++ M +43 660 55 888 05 | info@district4art.eu +++ www.district4art.eu Herausgeberin: Gisela Weissenbach-Abraham Autoren: Gisela Weissenbach-Abraham, Peter Assmann, Karolina Gacke, Beate Sprenger Redaktion: Anne-Marie Avramut | Gestaltung: CREATIVWERK thœrmer, Wien Fotos: S 4, S 8–11 – tom thœrmer; Alle anderen Fotos von den betreffenden Künstlern beigestellt Artbook ist ein Imprint von Aumayer druck + media GmbH Gewerbegebiet Nord 3 5222 Munderfing Printed in the European Union ISBN Artbook 978-3-9505581-6-6 www.artbook.at
Inhaltsverzeichnis Vorwort 4 Kuratorentext 6 Assmann/Neuhauser/Prenninger 12 Julius Deutschbauer 16 Karolina Gacke 18 Dzvinya Podlyashetska 22 Susi Rogenhofer 26 Michael Vonbank 28
Gisela Weißenbach - Abraham Galeristin Die Galerie DISTRICT4art versteht sich als ein Raum, der die Kraft der Kunst nutzt, um gesellschaftliche Debatten anzuregen und einen reflektierten Dialog zu fördern. Mit der Ausstellung „Toleranz/Intoleranz“ greifen wir eines der zentralen Themen unserer Zeit auf: Wie können wir in einer immer diverseren, aber gleichzeitig oft polarisierten Welt miteinander leben? Wien, eine Stadt mit einer langen Geschichte als kultureller Knotenpunkt, ist ein idealer Standort, um diesen Diskurs anzustoßen. Als Ort, der immer wieder Wellen der Migration, des kulturellen Austauschs, aber auch Zeiten der Abschottung erlebt hat, spiegelt Wien die Herausforderungen, die mit der Balance zwischen Toleranz und Intoleranz verbunden sind, in exemplarischer Weise wider. Toleranz bedeutet nicht nur Akzeptanz, sondern auch das Ringen mit Differenzen, das Aushalten von Ambivalenzen und das aktive Eintreten für ein respektvolles Miteinander. Gleichzeitig fordert uns die Intoleranz heraus, ihre Mechanismen zu erkennen und ihre Konsequenzen zu hinterfragen. Wie formt Intoleranz unsere Gesellschaft, und welche Verantwortung tragen wir als Individuen und Gemeinschaft, um dagegen anzugehen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung, die mit ihren vielfältigen künstlerischen Positionen ein facettenreiches Bild dieser komplexen Themen zeichnet. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler beleuchten das Spannungsfeld zwischen Toleranz und Intoleranz aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Julius Deutschbauer, bekannt für seine radikalen Plakataktionen, provoziert mit seinen Arbeiten gezielt, um gesellschaftliche Normen und individuelle Vorurteile offenzulegen. Seine Werke laden dazu ein, die eigenen Überzeugungen kritisch zu hinterfragen und über den schmalen Grat 4 | 5 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
zwischen Akzeptanz und Ablehnung nachzudenken. Karolina Gacke verarbeitet in ihren farbenfrohen und expressiven Arbeiten die Dynamiken menschlicher Beziehungen und untersucht die Grenzen zwischen persönlicher Freiheit und gesellschaftlicher Anpassung. Ihre oft symbolreichen Werke öffnen einen Raum für Empathie und Reflexion. Dzvinya Podlyashetska bringt in ihren Bildern eine poetische, aber auch kritische Auseinandersetzung mit Identität und Zugehörigkeit zum Ausdruck. Ihre Arbeiten reflektieren die Fragilität kultureller und persönlicher Verortung in einer globalisierten, aber gleichzeitig fragmentierten Welt. Susi Rogenhofer alias Sweet Susie bringt als Musikerin und Künstlerin eine interdisziplinäre Perspektive ein. Ihre Werke schaffen eine Verbindung zwischen kultureller Diversität und persönlicher Ausdruckskraft, die das Publikum dazu einlädt, über die kulturellen Barrieren hinauszublicken. Michael Vonbank nähert sich dem Thema mit intensiver Emotionalität. Seine Werke sind geprägt von einer tiefgehenden Erforschung der menschlichen Psyche und werfen ein Licht auf die verborgenen Mechanismen der Intoleranz, die oft tief in uns selbst verwurzelt sind. Er stellt die Frage, wie wir mit unseren inneren Dämonen umgehen und welche Verantwortung wir für unsere Handlungen übernehmen. Peter Assmann bringt seine Doppelrolle als Kunsthistoriker und Künstler ein und untersucht in seinen Arbeiten historische und aktuelle Formen der Ausgrenzung. Seine analytische Herangehensweise ermöglicht eine Kontextualisierung, die die langfristigen Auswirkungen von Intoleranz sichtbar macht. Abgerundet wird die Ausstellung durch die Werke von Leo Neuhauser und Marco Prenninger, die gemeinsam eine künstlerische Sprache entwickeln, um die Ambivalenz von Offenheit und Abgrenzung in unserer Gesellschaft darzustellen. Ihre Arbeiten thematisieren nicht nur die sozialen Strukturen, die Toleranz und Intoleranz ermöglichen, sondern auch die Macht der Kunst, diese Strukturen zu hinterfragen und aufzubrechen. „Toleranz/Intoleranz“ ist mehr als eine Ausstellung – sie ist eine Einladung, innezuhalten und nachzudenken. Sie fordert uns heraus, uns mit den tiefen Widersprüchen unserer Zeit auseinanderzusetzen und die eigene Haltung kritisch zu hinterfragen. In einer Zeit, in der Polarisierung und Ausgrenzung in vielen Bereichen zunehmen, möchte diese Ausstellung einen Raum schaffen, in dem Vielfalt nicht nur sichtbar wird, sondern als Bereicherung erfahren werden kann. Die Kunst bietet uns hier eine einzigartige Möglichkeit, über die eigenen Grenzen hinauszublicken und neue Wege des Zusammenlebens zu erkunden. Als Leiterin der Galerie DISTRICT4art ist es mir eine Herzensangelegenheit, diese Auseinandersetzungen zu fördern und Kunst als Plattform für gesellschaftliche Transformation zu nutzen. Jede der gezeigten Arbeiten spiegelt nicht nur die individuellen Perspektiven der Künstlerinnen und Künstler wider, sondern bietet auch ein kritisches und vielschichtiges Spiegelbild unserer Gesellschaft. Gisela Weißenbach - Abraham Galerie DISTRICT4art
„Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz.“ – das sogenannte Toleranz-Paradoxon von Karl Popper, durchaus basierend auf ähnlichen Überlegungen von Immanuel Kant viele Jahrzehnte früher, konfrontiert jeden einzelnen, gesellschaftlich reflektierenden Menschen mit der Frage der entsprechenden persönlichen Grenzziehung, der Abgrenzung, einer präzisierenden Bestimmung der eigenen Wertesituation. So wichtig eine grundsätzliche Haltung der Toleranz für das Zusammenleben in Unterschieden ist, so wichtig ist auch diese Selbstbestimmung. Dies gilt umso mehr in der Kunst, wo eine stets ausgreifender agierende Vielfalt sowie individuelle Positionierungsmöglichkeiten unumgängliche Grundlagen der qualitativen Weiterentwicklung sind. „Kunst ist die Rettung der Möglichkeit, so ist es, zu sagen.“ (Joseph Beuys) bzw. „Toleranz ist die Nächstenliebe der Intelligenz.“ (Jules Lemaitre) – wo stehen wir (heute) bzw. wo gehen wir hin, gemeinsam mit der Kunst? Das Ausstellungsprojekt in Wien und Linz, ein Kooperationsprojekt zweier unterschiedlicher Galerieinstitutionen, ist mehrstufig angelegt – ein Weiterentwicklungsprojekt, das aus einer Abfolge von Ausstellungen, Veranstaltungen, Publikationen und vor allem Gesprächen besteht, immer mit dem Ziel, eine tiefergehende Verhandlung dieser so eminent aktuellen und wichtigen gesellschaftlichen Fragestellung anzustoßen. Die individuellen Positionen der beteiligten Künstler*innen öffnen bereits einen breiten Diskursraum: Sie stellen subtil aufbereitete Botschaften einer politischen Propagandasprache zur Diskussion, präsentieren grundlegende, mit mythologischen Fragen verknüpfte Bilderzählungen, nehmen in poetischer Bildsprache direkten Bezug auf intolerante politische Bestimmungen, setzen individuelle Bildkraft zur Darstellung übergeordneter Kräfteverhältnisse ein, inszenieren performative Interventionen oder auf Toleranz basierende künstlerische Bildentwicklungen. Stets wird hier die grundlegende Frage eines respektvollen Umgangs mit sich, der eigenen persönlichen Entwicklungskraft wie auch dem anderen mit gleichen Kräften Agierenden vorgestellt; ein Spannungsverhältnis, das sich an einem wechselseitigen „Inter-esse“ orientiert, einer offenen Neugier an der Verbindung von individuellem und kollektivem Wachstum, an einer auch kulturell gedachten Biodiversität, einer bewusst auf die Zukunft hin gepflegten Vielfalt des Lebens. In der historischen Entwicklung des Toleranzgedankens, der speziell seit der Zeit der Aufklärung in Europa intensiv diskutiert wurde, nahm die Frage der Menschenrechte eine besondere Position ein. Mit der aus der Krise der Erfahrungen größtmöglicher Grausamkeiten der Intoleranz im Zweiten Weltkrieg entstandenen „Internationalen Erklärung der Menschenrechte“ im Jahr 1948 wurde ein auf die Zukunft ausgerichtetes politisches Grundsatzpapier geschaffen, das als Leitlinie über viele Jahrzehnte zumindest zitiert, wenn schon nicht in allen Details umgesetzt worden ist, … einige kuratorische Vorbemerkungen … Peter Assmann Kurator KUNSToffizin.Linz 6 | 7 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
gegenwärtig aber immer wieder in Frage gestellt wird im Sinne von: Die Menschenrechte sollten im vollen Umfang nicht für alle Menschen gelten. Womit eine zentrale Basis der bisherigen Toleranztraditionen zerstört wird und einer ungebremsten wirtschaftlich-machtpolitischen Vorgangsweise die Bahn frei gemacht wird. Das mächtigere Ich, der mächtigere Klub in der Gesellschaft bestimmt die Toleranzgrenzen und damit auch den Wert jedes einzelnen Menschen. Kunst hat hier in den letzten Jahrhunderten immer ein sensibles Auge auf solche Entwicklungen gehabt; sich in besonderer Weise in der Frage der Menschlichkeit aufmerksam gezeigt. Die Kunst selbst ist in der Frage individueller Kreativitätsentwicklungen voller Konflikte, die jedoch in Summe zu einer in den letzten Jahrzehnten sich umfassend steigernden Vielfalt der Erscheinungsformen und Qualitätsdiskussionen geführt haben. Alle bisherigen Bemühungen von totalitären politischen Systemen, die Kunstproduktion und ihre Distribution ideologisch eingeschränkt zu regulieren, sind nachhaltig gescheitert. Das System Kunst ist daher in besonderer Weise mit der Hoffnung auf einen immer feiner differenzierten Umgang mit der Toleranz und ihrer Abgrenzung zur Intoleranz verbunden. Es gelingt diesem System, vielfältige und durchaus kontrastierende Positionen des „Kante-Zeigens“ mit einer Grundhaltung einer letztlich auf multiperspektivischen Respekt basierenden Zukunftsausrichtung zusammen zu führen. Kein Einheitsbrei kann in diesem System überzeugen, keine zu laut vereinende Stimme wirklich überzeugen. Wenn Heinrich Schmidinger schreibt „Was schließlich zeigt, dass Toleranz als frei gewähltes Ethos, nicht als verordnete Resignation, mit einem kritischen Bewusstsein einhergeht, das zwischen ‚gerecht‘ und ‚ungerecht‘ und vor allem zwischen ‚frei‘ und ‚unfrei‘ zu unterscheiden weiß.“ (Heinrich Schmidinger: Toleranz – auch eine Geschichte Europas Basel 2024, Seite 220), so sind wir wieder bei der Toleranzbestimmung jedes einzelnen Menschen innerhalb seiner Gemeinschaften – auf der Basis von grundlegenden Menschenrechten. „Es ist nämlich die Toleranz, so die abschließende These im Anschluss an Jürgen Habermas, die eine pluralistische Gesellschaft davor bewahrt, als politisches Gemeinwesen durch weltanschauliche Konflikte zerrissen zu werden.“ (Christian Spiess: Religionsfreiheit und Toleranz, in: Jahrbuch für christliche Sozialwissenschaften, Bd. 50, 2009, S.225) Dieser Gedanke ist auch in der Toleranzerklärung der UNESCO – die auf der 28. Generalkonferenz (Paris, 25. Oktober bis 16. November 1995) von den Mitgliedstaaten der UNESCO verabschiedet worden ist - grundgelegt, die hier in ihren ersten beiden Artkeln zitiert werden soll: „Entschlossen, alle positiven Schritte zu unternehmen, die notwendig sind, um den Gedanken der Toleranz in unseren Gesellschaften zu verbreiten – denn Toleranz ist nicht nur ein hochgeschürztes Prinzip, sondern eine notwendige Voraussetzung für den Frieden und für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung aller Völker, erklären wir: Artikel 1: Bedeutung von „Toleranz“ 1.1 Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen unserer Welt, unserer Ausdrucksformen und Gestaltungsweisen unseres Menschseins in all ihrem Reichtum und ihrer Vielfalt. Gefördert wird sie durch Wissen, Offenheit, Kommunikation und durch Freiheit des Denkens, der Gewissensentscheidung und des Glaubens. Toleranz ist Harmonie über Unterschiede hinweg. Sie ist nicht nur moralische Verpflichtung, sondern auch eine politische und rechtliche Notwendigkeit. Toleranz ist eine Tugend, die den Frieden ermöglicht, und trägt dazu bei, den Kult des Krieges durch eine Kultur des Friedens zu überwinden. 1.2 Toleranz ist nicht gleichbedeutend mit Nachgeben, Herablassung oder Nachsicht. Toleranz ist vor allem eine aktive Einstellung, die sich stützt auf die Anerkennung der allgemeingültigen Menschenrechte und Grundfreiheiten anderer. Keinesfalls darf sie dazu missbraucht werden, irgendwelche Einschränkungen dieser Grundwerte zu rechtfertigen. Toleranz muss geübt werden von einzelnen, von Gruppen und von Staaten. …“ – am besten funktioniert das mit einem aktiv gepflegten Wollen zur Kunst.
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Fotos: CREATIVWERK/tom thoermer
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Fotos: CREATIVWERK/tom thoermer
Peter Assmann Leo Neuhauser Marco Prenninger A+N+P (Peter Assmann, Leo Neuhauser, Marco Prenninger): Toleranzen 1, 2024, Farbstifte/Mischtechnik auf Spezialpapier, 100 x 70 cm 12 | 13 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
A+N+P (Peter Assmann, Leo Neuhauser, Marco Prenninger): Toleranzen 2, 2024, Farbstifte/Mischtechnik auf Spezialpapier, 100 x 70 cm
Leo Neuhauser: O.T., 2024 Mischtechnik auf Papier, 29,7 x 21 cm 14 | 15 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Peter Assmann, geboren 1963, Künstler, Schriftsteller, Kunsthistoriker, Museumsdirektor, etc. siehe www. peter-assmann.info Leonhard Neuhauser, geboren 2000 in Linz, lebt und arbeitet in Linz, seit 2023 Studium Experimentelle Gestaltung an der Kunstuniversität Linz bei Anna Jermolaewa Marco Prenninger, geboren 1977, Künstler. (Studium Psychologie University of New Orleans. Studium Kommunikationswissenschaften Paris Lodron Universität Salzburg.) Alle meine Zeichnungen sind visuelle „Tagebucheinträge“. Form und Inhalt spiegeln meine Sicht der Welt wieder. Peter Assmann - Leo Neuhauser - Marco Prenninger … Drei völlig unterschiedliche Künstlerpersönlichkeiten, in zeitgleicher künstlerischer Gestaltungsarbeit vereint, miteinander, ineinander, sprechend, zeichnend, schreibend, schweigend – manchmal wilder, manchmal zögerlicher, manchmal noch überraschender als bereits erwartet – assoziativ arbeitend, direkt, spontan, jeder mit einem anderen Rucksack der Erfahrungen, der persönlichen Schwerpunkte, der Kunst – behutsam, respektvoll, in der rhythmischen Abfolge des Platz-Nehmens und Platz-Gebens vereint – immer wieder völlig unterschiedlich … das entstehende Bildganze ist sodann mehr als die Summe der einzelnen individuellen Handschriften und Beiträge: wie eine Landschaft, wie eine Gemeinschaft, wie die Kunst ...
Julius Deutschbauer Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 03 ©LP Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 09 ©LP Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 06 ©LP Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 12 ©LP 16 | 17 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 13 ©LP Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 19 ©LP Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 16 ©LP Deutschbauer 2017 Antirassismusvergügungspark Collage 84x59,4cm 22 ©LP Julius Deutschbauer geboren 1961 in Klagenfurt, lebt als bildender und Plakatkünstler, Performer, Filmer und Autor in Wien. Seit 1997 betreibt er die Bibliothek ungelesener Bücher. 2024 erschien der 248seitige Katalog Julius Deutschbauer – 213 Plakate. www.julius-deutschbauer.com
Karolina Gacke Unclean-Mischtecnik auf Papier-30x40cm-2024 18 | 19 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Happy birthday-Mischtechnik auf Papier16x22cm-2024 I say a prayer-Mischtechnik auf Papier-15x20cm-2024 Forgive me Father-Mischtechnik auf Papier-18x24cm-2024
Unconditional love-Keramikteller mit Rahmen-50x40cm-2023 Als jemand, der viel um die Welt gereist ist und in verschiedenen Ländern gelebt hat, ist die Akzeptanz anderer Kulturen, Religionen und Bräuche, der Respekt vor jedem Menschen ein wichtiger Teil meiner Persönlichkeit und hat einen starken Einfluss auf meine künstlerische Praxis. Der Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf Zeichnen, aber ich male auch und arbeite mit zebrochenen Tellern. Die beiden Themen, auf die ich mich hauptsächlich konzentriere, sind Menschen und Natur. Mit meinen Zeichnungen setze ich mich mit dem Thema Sexualität und Geschlechteridentität auseinander und schaffe Werke, die den Betrachter auch in eine magische, mysteriöse und oft melancholische Welt einladen. Für meine Tellerkunst verwende ich alte, zerbrochene Teller aus aller Welt und setze sie zusammen, um etwas Neues zu schaffen und ihnen so ein neues Leben zu verleihen. Die von mir verwendete Technik ist von der alten japanischen Kunst des Kintsugi inspiriert. Als Polin habe die Entwicklungen unter der rechtspopulistischen Partei PIS (2016-24) beobachtet und fand sie sehr schwer zu verstehen und zu akzeptieren. PIS schaffte im ganzen Land „LGBT-freier Zonen,“ junge Menschen wurden verhaftet, weil sie einen Regenbogen zeigten oder einfach sie selbst sein wollten und sie setzte die Religion - mit aktiver Unterstützung des Klerus- als Waffe ein, um die Menschen zu kontrollieren. All dies ist das komplette Gegenteil von dem, was ich als Person bin, und deshalb habe ich das Bedürfnis, dieses Problem durch meine Kunst darzustellen und zu verstärken. 20 | 21 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Karolina Gacke wurde 1975 in Polen geboren, wuchs in Afrika auf und lebt heute zwischen Südtirol, Italien und Bangkok, Thailand. www.karolinagacke.art Instagram: karolinagacke.artist Acquitted-Collage auf Stoff-10,5x14cm-2024
Dzvinya Podlyashetska The dark and the light - 2024, 49x39cm, canvas, acrylic, oil sticks 22 | 23 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Trip #2 - 2024, 50x40cm, canvas, acrylic, oil sticks
24 | 25 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Freedom - 2024, 50x39cm, canvas, acrylic, oil sticks Dzvinya Podlyashetska Born in 1994, Dzvinya Podlyashetska is a Ukrainian contemporary artist whose artistic practice revolves around expressive paintings and works on paper. email: dzvinya.studio@gmail.com website: https://dzvinya.com social media: https://www.instagram.com/dzvinya_studio/
Susi Rogenhofer 26 | 27 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Susi Rogenhofer Künstlerin, Kulturarbeiterin, Musikerin, DJ (alias DJ Sweet Susie), Vorstandsmitglieder der IG-Kultur Wien In ihren Inszenierungen, Installationen und Soundarbeiten, die v.a. im öffentlichen Raum stattfinden und die u.a. für die Wiener Festwochen realisiert wurden, beschäftigt sie sich vorwiegend mit gesellschaftspolitischen und ökologischen Themen. www.susi-rogenhofer.net
Michael Vonbank Das Recht, nichts sagen zu dürfen Ölkreide auf Papier, 29,5x41,5cm 28 | 29 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Michael Vonbank war originell, kreativ und unbequem. Extreme Wucht, expressionistische Kraft und außergewöhnliche koloristische Stärke sind Markenzeichen seiner Ästhetik. Inhaltlich wird sein mächtiges Werk fast durchgehend von Grotesken bevölkert: Verfremdete, bizarre Wesen mit komischen Zügen zeigen Verdrängtes der Gesellschaft auf. Michael Vonbank legt Finger in offene Wunden. So verweist die Arbeit „Welcome to war and feel yourself like at home“ (dt. „Willkommen im Krieg und fühlen Sie sich wie zu Hause“) auf die permanente Verstrickung jedes/r Einzelnen in globale kriegerische Auseinandersetzungen. Das Bild zeigt eine schlafende Person, die von einem als fliegendes Raubtier getarnten Kampfjet von rechts attackiert wird, während sich links übergroß eine gemarterte Gestalt als Opfer des Krieges aufbäumt. Der Appell ist klar: Es geht darum, aufzuwachen, Stellung zu beziehen und zu kämpfen, oder man wird selbst zum Opfer. Der neutrale Standpunkt inmitten kriegerischer Auseinandersetzungen bleibt eine Illusion. Die Arbeit „Das Recht, nichts sagen zu dürfen“ zeigt ein übergroßes, nach vorne gebeugtes Gesicht mit gewaltsam verschlossenen, zugenähten Lippen. Der Ausdruck hilfloser Sprachlosigkeit wird durch ein waches, übergroßes Auge kompensiert. Das Wesen nimmt alles wahr, erkennt seinen Zustand, nur äußern kann es sich nicht. Es bleibt stumm. Das Wortspiel „Das Recht, nichts sagen zu dürfen“ verweist auf die Menschenrechtsverletzungen in großen Teilen der Welt ebenso wie auf die Manipulierbarkeit der trägen Masse, die ihre Rechte nicht wahrnimmt. Welcome to war - 1992, Ölkreide auf Karton, 70x100cm 30 | 31 DISTRICT4art | InToleranz | 2025
Michael Vonbank (1964-2015) war Maler, Zeichner, Bildhauer und Literat. Er schuf in drei Jahrzehnten ein großes, originelles und sehr vielseitiges Werk, das die Medien Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation, Foto, Video, Audio und Literatur umfasst. Seine Kunst ist intuitiv, spontan und kraftvoll, er brachte Einfälle in Sekundenschnelle auf den Punkt. Sein Studium der Malerei bei Christian Ludwig Attersee an der Universität für angewandte Kunst in Wien absolvierte er 1995 mit Auszeichnung, 1996 studierte er Bildhauerei bei Bruno Gironcoli an der Akademie der bildenden Künste. Seine Werke werden 2025 in der Kunsthalle SALA 1 in Rom (Italien) und im Museum Moderner Kunst in Gazoldo bei Mantua (Italien) zu sehen sein. Er hat im Museum für angewandte Kunst in Wien (2008), im Museum Angerlehner in Wels (2022), im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien (1993), im Museum Ferdinandeum in Innsbruck (1991) und im Stadtmuseum Innsbruck (2013) ausgestellt und erhielt zahlreiche Preise wie u.a. den Österreichischen Grafikpreis, den Preis der Creditanstalt, den Preis des Landes Tirol und den Preis des Siemens Artwork Network. www.michaelvonbank.at
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